D-1

  • The Intelligence Handbook on Allied Airborne Forces in Normandy
    The Intelligence Handbook on Allied Airborne Forces in Normandy



    Mit D-1, The Intelligence Handbook on Allied Airborne Forces in Normandy“ ist der Reigen der spezifischen Divisionshandbücher für Flames of War eingeleitet worden. Im Folgenden bekommt ihr eine Rezension zu diesem brandneuen Buch, in der ich auf die Aufmachung, Inhalte und Nützlichkeit des Ganzen eingehen werde.

    Aber zuerst etwas zum historischen Hintergrund des Buches und der Konzeption der Divisionshandbücher. D-1 bezeichnet den Tag vor der Landung der alliierten Streitkräfte in der Normandie im Juni 1944. Amerikanische und britische Luftlandetruppen gingen im Hinterland der Normandieküste nieder und unterstützten so die Truppen, die an den Stränden anlandeten (wie uns eindrucksvoll z.B. die ersten Minuten von `Der Soldat James Ryan´ verbildlichen). Wer Band of Brothers kennt, kann nun eben diese Jungs ins Feld führen. Denn das Handbuch liefert uns die Informationen zu diesen Luftlandetruppen, so dass man sie in der Latewar-Periode von FoW einsetzen kann.

    Nach den Informationen, die man von Battlefront bisher bekommen hat, wird mit den Divisionshandbücher ein anderer Weg als mit den Listen für die Midwar-Periode beschritten. Zuerst hat Battlefront `Festung Europa´ veröffentlicht, das die wichtigsten Armeelisten von Anfang 1944 bis zur Landung in der Normandie beinhaltet. Diese Listen sind eher generischer und sollen den Leuten ermöglichen, ihre Armeen zu spielen, bis spezifischere Armeelisten erscheinen. Es soll danach 5 Kampagnenbücher geben, die den Hintergrund für einen Kriegsschauplatz bereitstellen. Für jeden dieser größeren Schauplätze sollen dann Divisionshandbücher herauskommen, die verschiedene Einheiten detaillierter beschreiben. Mit D-1 haben wir das erste dieser Bücher (für den Kriegsschauplatz Normandie, dessen Buch aber noch aussteht) in Händen.

    Die Aufmachung des Buches ist sehr schön, so wie man es schon bei dem neuen Regelwerk und `Festung Europa´ sehen konnte. Die 62 Seiten des Buches sind durchgehend in Farbe und von der Farbgestaltung her angenehm anzusehen. Das Buch eröffnet in der Umschlagseite mit einer Karte der Abflug- und Anflugwege der Landetruppen. Dies ist meiner Meinung nach eine deutlich bessere Nutzung des Raumes als z.B. Armeebeispiele in den früheren Büchern. Ich persönlich finde solche Karten immer ausgesprochen praktisch, um mir die geographischen Gegebenheiten zu verdeutlichen. Im weiteren Verlauf des Buches gibt es noch eine weitere Karte, die ebenfalls meiner Meinung nach gut gelungen ist (sie verdeutlicht das Chaos beim Abwurf der Truppen und ihre Verstreutheit, ein Detail was man ja z.B. bei Band of Brothers schön dargestellt ist). Die Bilder mit den Figuren/Schlachtszenen sind schön anzusehen und sind auf durchweg hohem Niveau. Auf so einem Gelände würde man gerne immer spielen. Ein Merkmal, das mir besonders positiv aufgefallen ist, sind die Farbwahlen für die Armeespezifischen Teile. Die Gestaltungselemente der Armeeseiten der Briten sind im `Red Devil´-Dunkelrot gehalten während die Amerikaner in US-Dunkelgrün daherkommen (so wie in `Festung Europa´). Wenn man die alten Bücher daneben hält, so bekommt man ein schönes Beispiel dafür, wie bunter/mehr Farbe und bessere Übersicht Hand in Hand gehen können. Ein Wort zur Historie. Ich bin kein Experte der Geschichte der Landung in der Normandie, weswegen ich auch keine Aussagen über die Korrektheit der Repräsentation der geschichtlichen Ereignisse und Truppenaufstellungen machen kann. Das muß der geneigte Leser für sich selbst herausfinden und entscheiden.

    Nun zu den Inhalten des Buches. Nach der bereits erwähnten schönen Karte am Anfang, dem Impressum und Inhaltsverzeichnis, kommt der allgemeine Begrüßungsblabla, den man aus allen Armeehandbüchern kennt. Dann wird es interessant, denn es schließen sich die beiden Teile zu den spielbaren Kompanien der Briten und Amerikaner an.

    Jeder Teil beginnt mit der Beschreibung der Ziele der jeweiligen Division (bei den Briten die 6. und bei den Amerikanern die 82. und 101. Airborne Division), ihren Erlebnissen am Tag der Invasion und ein kursorischer Überblick über die Zeit nach dem D-Day. Daran schließt sich eine Doppelseite mit Schlachtszenen an. Als nächstes folgen die Armeelisteneinträge und die Übersichtsseiten mit den Spielwerten. Darauf folgt eine Fluff-Seite und die Informationen zum Einsatz eines Helden Briten bzw. Amerikaner. Beschlossen wird jeder der beiden Teile wiederum mit einer Doppelseite Schlachtszenen und Bemalanleitungen. Zum Schluß des Buches erhält man die Regeln für Luftlandeangriffe und die dazu passende Mission `Seize and Hold´. Die Mission stellt den Angriff der Luftlandetruppen auf ein wichtiges Missionsziel dar. Bei dieser Mission dürfen nur Platoons eingesetzt werden, die als Luftlandetruppen eingestuft sind. Die Truppen greifen die Objectives aus verschiedenen Richtungen an und versuchen sie, den überraschten Verteidigern abzuringen, bevor deren Reserven auftauchen.



    Die folgende Beschreibung der spielbaren Armeen kann nur kursorisch erfolgen, da eine ausführliche Beschreibung diese Rezension etwas sprengen würde. Daher nur einige Hinweise auf Besonderheiten beider Seiten. Bei den Briten und Amerikanern kann man jeweils eine Fallschirm- oder eine Luftlandekompanie spielen. Amerikaner und Briten unterscheiden sich teilweise deutlich in der Organisation der Platoons und der Unterstützung. Zuerst etwas zu den Fallschirmkompanien. Die Platoons der Briten sind kleiner als die der Amerikaner. Auch haben sie keine MGs als Weapon Platoon Auswahl (nur als Support). Die Größe der amerikanischen Platoons schlägt sich dann aber auch entsprechend in den Punktkosten nieder.

    Bei den Luftlandekompanien gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen den Nationen. Während die Briten wie die Fallschirmkompanien den Status Fearless Veteran haben, sind die Amerikaner normale Linieninfanterie (daher Confident Veteran), da sie historisch nur zur Unterstützung und Entlastung der Fallschirmspringer eingesetzt wurden. Dementsprechend sind sie bei großen Trupps von den Punkten her doch günstig. Die Briten erhalten dafür in der `Seize and Hold´-Mission die Möglichkeit zu einem Coup de Main, einem Angriff aus der Luft. Dabei dürfen die Gleiter-Platoons versuchen, nahe den Objectives zu landen, können dabei aber auch verunglücken. Außerdem dürfen die Briten mehr Trupps erhalten als die Amerikaner, so dass, wenn man die Punkte hat, trotz kleinerer Platoons mehr Infanterie ins Feld führen kann.
    Die restliche Unterstützung ist bunt gemischt und beinhaltet alles, was man so braucht, um die Krauts ordentlich zu versohlen. Die Briten haben dabei mehr Unterstützung, die Fearless Veteran eingestuft ist (die Amerikaner sind grötenteils Confident Trained). Bei den Panzern ist allerdings das Verhältnis umgekehrt (die Ami Panzer sind Confident Veteran). Die Briten haben mehr und schwerere Anti-Tank Guns (so auch airlanding 17 Pfünder, die dadurch in der `Seize and Hold´ Mission eingesetzt werden können, etwas, was die Amerikaner nicht haben), während die Amerikaner größere Panzer Platoons einsetzen können. Die Amerikaner können über unterschiedlichste Artillerietrupps verfügen (so z.B. auch schwere Mörser), während die Briten ihre große Royal Horse Artillery Battery mit 8 Geschützen einsetzen können. Die Briten verfügen z.B. noch über die Unterstützung durch Commandos, während die Amerikaner mit ihren M10 dezidierte mobile Panzerjäger erhalten können. Ein interessanter Unterschied sind auch die Pioniertrupps. Die Briten haben Zugriff auf Flammenwerfer, die Amis nicht. Allerdings kann man diese mit einigen Bazookas beglücken. Generell sind Bazookas bei den Amerikanern allgegenwärtig, in deutlich höherem Maße als die PIATS bei den Briten. Ein letzter interessanter Punkt sind die Tetrarch-Panzer der Briten. Diese leichten Aufklärungspanzer sind als Airlanding eingestuft, so dass man sie in der `Seize and Hold´-Mission einsetzen kann, etwas was die Amerikaner nicht haben. Deren Aufklärungsplatoon ist mit ihren Jeeps deutlich angreifbarer. Und so geht es weiter und weiter. Die Bemalseiten sind meiner Meinung nach generell praktisch und auch diesmal betrachte ich sie wieder als äußerst hilfreich. Die Bildseiten mit den Schlachtszenen sind ebenfalls gut gelungen und machen fast schon neidisch.



    Wieviel taugt das Buch nun schlussendlich? Auf spielerischer Seite kann ich diese Frage noch nicht beantworten, da ich noch keine Gelegenheit zu einem Probespiel hatte. Auf dem Papier sehen die Möglichkeiten, die man hat, aber sehr lecker aus. Gerade die Luftlandekompanien der Amerikaner mit ihren günstigen, aber interessanten Optionen schauen gut aus. Fearless Veteran Armeen sind von den Punkten her immer äußerst kostspielig. Man sollte allerdings genügend Optionen haben, um sich ein schöne Liste zusammen zu stellen. Das Buch an sich ist eine echte Augenweide und von daher schon sehr angenehm zu besitzen. Ich selbst bin allerdings ein sehr visuell veranlagter Mensch und daher lege ich auf so etwas vielleicht mehr Wert als andere. Wenn ich das Buch nicht gewonnen hätte, hätte ich es mir aber aufgrund der Thematik irgendwann selber zugelegt. Darüber hinaus ist es klar gegliedert und sehr gut zugänglich. Der Aufbau der Armeen ist leicht verständlich und durch die bereits erwähnte farbliche Kodierung der Teile findet man sich immer gut zurecht. Die Informationen über die Regeln hinaus sind gut präsentiert und dem Zweck des Buches angemessen. Man erfährt in dem speziellen Luftlande-Divisionsbuch zur Landung in der Normandie halt spezielles zu den jeweiligen Luftlande-Divisionen in der Normandie –nicht mehr, nicht weniger. Der Preisfaktor ist auch äußerst positiv. Wenn man z.B. eine amerikanische Midwar Fallschirmkompanie besitzt, kann man die meisten Sachen fast 1 zu 1 umsetzen, was es natürlich günstig macht, die Armee zu spielen. Aber auch wenn man neu anfängt, sind Briten wie Amerikaner aufgrund der hohen Punktkosten sicherlich recht günstig zu spielen. Die neuen Modelle für beide Nationen sind auch sehr hübsch, obwohl das natürlich auch wieder Geschmackssache ist.






    Alles in allem ziehe ich für mich das Fazit, dass Battlefront mit diesem Buch ordentliche Arbeit geleistet hat. Ich wüsste jetzt nicht, wo man groß etwas verbessern könnte. Wenn jetzt noch die Bindung hält (ein altes Problem bei den Büchern), dürfte man viel Spaß mit dem Buch haben. Ich habe auf jeden Fall reichlich davon.

    Tübingen, den 12.12.2006
    Rezensent: Hendrik Garnkäufer aka CplHicks

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