Franzosen der Italienischen Kriege

      Ich hab mal etwas Abwechslung von all den Piken gebraucht und hab mich mit den Aventuriers beschäftigt; dies sind Armbrustschützen. Die Posenvielfalt ist hier größer als bisher, da ich auf drei verschiedene Artikel des Herstellers zurückgreifen konnte.





      Allerdings haben alle die gleiche Haltung - schußbereit -, bis auf zwei, die im Bild ganz links unten zu sehen sind. Aber keine Sorge, ich bin trotzdem nicht um zahlreiche Basteleien herumgekommen... Grund hierfür ist in erster Linie der Umstand, daß Black Hat zu den Herstellern gehört, die ihre Armbrustschützen mit senkrechter Armbrust gestalten. Ist wohl einfacher zu giessen... auch wenn ich mich fragen muß, warum dann trotzdem 20 % Fehlgüsse auftreten. Womit wir auch schon beim zweiten Grund sind, denn die Fehlgüsse sind immer in den Bogen der Armbrüste. Es steht also eine Drehung um 90 Grad an, um die Armbrust in die Horizontale zu kommen. Dabei ist mir dann entweder a) eine Bogenhälfte abgebrochen, b) beide Bogenhälften abgebrochen, c) die Spitze des Schafts mit dem Bogen abgebrochen oder d) gleich der ganze Schaftteil jenseits der linken Hand abgebrochen. ;( Ok, ich muß zugeben, es geht auch besser: mit zunehmender Übung (und viiiiel Gefühl) konnte ich die Zerstörungen auf null reduzieren. Aber was nützt es mir, mich gegen Ende von ca. zwanzig Armbrusthalsumdrehungen einen fehlerlosen Experten rühmen zu können, wenn sich aus der Anfangszeit noch ein Berg von Leichen hinter meinem Rücken auftürmt? Also: Messer und Feile gewetzt, es gibt Arbeit!

      Angefangen habe ich mit einer Armbrust mit abgebrochenen Bogenhälften. Ihr Schaft war einen Millimeter hoch, so daß ich einen 0,6 mm dicken Draht und einen passenden 0,7er Bohrer herausgesucht und mich ans Werk gemacht habe. Was oberhalb der Bohrung noch an Metall blieb war gerade mal ein Hauch. Und der Bogen sah mit diesem dünnen Draht im Vergleich zu den Originalen deutlich schmächtiger aus. So ganz zufrieden war ich also nicht. Bei Armbrüsten, deren Schaft kurz nach dem Bogen gebrochen war, habe ich zweierlei Verfahren erprobt: Wegen der verkürzten Länge des Schaftes sollte der neue Bogen also vorne auf die Bruchstelle kommen, um den Schaft so optisch etwas zu verlängern. Ich habe einmal die Bruchstelle plan gefeilt und einen Streifen Plastikkarton aufgeklebt. Beim anderen Modell habe ich die Bruchfläche waagerecht eingekerbt, um einem runden Draht (dicker als der Vorherige, ca. 1 mm) etwas mehr Halt zu geben. Fazit: optisch ok, aber den Draht anzukleben ist eine Wahnsinnsfieselei, denn er muß am Ende ja nicht nur waagrecht sein, sonder auch von oben gesehen rechtwinklig zum Schaft; und dafür ist die Bruchfläche einfach zu kleine, um irgendwie Halt zu bieten, Einkerbung hin oder her. Der Streifen Plastikkarton ging relativ gut anzukleben (hier genügt es, nur auf die waagrechte Anbringung zu achten), aber das Plastik ist so flexibel, daß ich Zweifel hatte, ob da die Farbe lange drauf halten wird. Diese Sorge wurde mir aber abgenommen, weil beim Waschen der Minis vor der Grundierung eine Bogenseite abgebrochen ist. Diese beiden Methoden waren also auch nicht so der Brüller... :/ Einen weiteren Versuch habe ich noch unternommen, indem ich einen nach dem Abbrechen noch ausreichend langen Schaft von oben eingekerbt haben, wiederum um einem da hinein zu klebenden Draht etwas Halt zu geben. Das Kleben hat relativ gut funktioniert und das Ergebnis ist auch optisch ok, aber es setzt halt einen ausreichend langen Schaft voraus. Und an einen bestehenden Schaft etwas anzustückeln halte ich für nahezu unmöglich.



      V. l. n. r.: erfolgreich gedreht; dito; 0,6 mm Draht durch Bohrung; Plastikkarton von vorne; 1 mm Draht von vorne; 1 mm Draht von oben.


      Am Ende bin ich dann so vorgegangen: Ob nur der Bogen gebrochen ist oder der Schaft und ob dieser direkt am Bogen gebrochen ist oder weiter hinten ist mir jetzt wurscht. Ich sehe mir den verbliebenen Schaft an und wenn er insgesamt lang genug ist und hoch genug ist für eine 1 mm Bohrung, dann wird gebohrt. Ansonsten wird der Schaft entfernt bis hinter zur rechten Hand und durch einen eigenen aus Plastikkarton ersetzt. Das sieht dann so aus:





      Die Vorteile sind:
      1. Ich kann einen Schaft verwenden, der die von mir gewünschten Maße hat (1 mm breit, 1,5 mm hoch).
      2. Eine Befestigung des Bogens in einer Bohrung ist wesentlich stabiler als in einer Kerbe.
      3. Ich kann die Bohrung vor Einbau des Schaftes vornehmen, das ist wesentlich einfacher und exakter.
      4. Ich habe zwei Klebepunkte (linke Hand und rechte Hand/Brust).
      5. Der Punkt der Anstückelung von vorderem und hinterem Schaft (dem "Gewehrkolben") verschwindet gewissermaßen unter der rechten Hand.
      "Jaaaa, genau, vertraue der Macht. Gib Dich Deinen Gefühlen hin, male 28mm." (Sir Tobi, 30.06.09)

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      Danke.

      @Dareios:
      Die 20 % waren ja nur bei den Armbrustschützen, und bei denen war ich von vorneherein schon derart auf's Reparieren eingestellt (wegen der 90°-Drehungen), daß ich da erstmal gar nicht so drangedacht hab.
      Im Ernst, mir kam erst später der Gedanke, daß ich das auch hätte reklamieren können, aber das Reparieren war sicher wesentlich schneller als eine Reklamation und auf ein paar Umbauten mehr kommt's mir eigentlich nicht mehr so an.
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      Da ja, wie erwähnt, fast alle der Armbrustschützen die simple Mit-gespreitzten-Beinen-nach-vorne-zielen-Pose haben, konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, für mehr Abwechslung zu sorgen. Da bieten sich natürlich andere Schützen an, und so habe ich eine Pose der Arquebusiere umgebaut:





      Zuerst habe ich die Seiten der Arquebuse so weit abgefeilt, daß die Fuge zwischen Schaft und Lauf verschwunden war. Was danach noch übrig blieb war leider viel zu dünn, um als Schaft einer Armbrust durchzugehen, weswegen ich dann auch hier mein neues Reparaturverfahren für Armbrüste angewendet habe.
      Und weil's so schön war, habe ich noch zwei weitere Arquebusiere umgebaut zu Armbrustschützen. Bei diesen war allerdings nach dem Feilen noch genug übrig für einen ordentlichen Armbrustschaft, so daß es hier die Bohrung für den Draht als Bogen getan hat.



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      Du bist Wahnzinnig :thumbsup:

      Hast du dir überlegt als Gag einen der Arqubusiere mit einem Magazin oder einem Patronengurt auszustatten? Wenn du ihn dann zwischen die anderen stellst fällt das erst garnicht auf, aber der aufmerksame Mitspielr oder Zuschauer wird es sehen (speziell bei Turnieren und am 1. April gewinnst du den Originalitätspreis :))
      Gruss
      Carlos :pfeil:
      "May the Force be with you"
      Nee, verkaufen werd ich die wohl nie. Ist schließlich meine erste 15 mm-Armee, also gewissermaßen ein Meilenstein meines Hobbys.

      Inzwischen ist die erste Einheit der Armbrustschützen fertig geworden:







      "Jaaaa, genau, vertraue der Macht. Gib Dich Deinen Gefühlen hin, male 28mm." (Sir Tobi, 30.06.09)
      Auch wenn sich hier eine Weile nichts getan hat, war ich nicht untätig. Ich habe an der zweiten Einheit Aventuriers gemalt und nebenher die nächsten paar Einheiten vorbereitet. Hier zunächst die fertigen Aventuriers:







      Leider werden selbst bei etwas bedecktem Himmel die Bilder immer noch so hell, daß die Farben nicht richtig rüberkommen. So ist z. B. der Boden deutlich dunkler und auch das Brett auf dem zweiten Bild. Aber vielleicht lern ich das ja auch noch...
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      Danke!

      Direktes Sonnenlicht ist da keines drauf. Alles nur indirektes Licht.
      Ich habe heute bei beginnender Dämmerung und bei deutlich fortgeschrittener Dämmerung etwas mit der Kamera herumprobiert (alles ohne Kunstlicht) und die entstandenen Aufnahmen lassen IMO nur einen Schluß zu: die Software in der Kamera macht die Bilder automatisch heller. Selbst wenn so wenig Licht von draußen hereinkommt, daß ich schon genau hingucken muß, um jede Farbe der vor mir stehenden Minis zu erkennen, schafft es die Kamera, die Aufnahmen kaum anders aussehen zu lassen, wie die letzten beiden aus meinem letzten Beitrag, und die wurden am Nachmittag geschossen.
      Es sieht also so aus, als käme ich nicht drum herum, mir den ganzen Schamott mit Belichtungszeiten, Blende, und was da alles dazugehört, beizubringen, um Bilder zu bekommen, wie ich sie haben möchte. Das mag sich für den Kundigen banal anhören, war bisher aber erfolglos bei mir, weil ich mir Dinge, die mich nicht interessieren, nicht merken kann. *grummel*
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      Danke!

      Was ich hier am wenigsten habe, ist Platz. Ich würde daher gerne ohne irgendwelche weiteren Konstruktionen auskommen, die dann ja auch irgendwo verstaut werden wollen.
      BTW ist schon der Name "Beleuchtungskiste" gefährlich, denn auf das Wort "Kiste" - zumal im Zusammenhang mit Minis - reagiert die Angetraute zuweilen etwas... empfindlich...? :whistling:

      Ich habe also weiterhin versucht, mit Rumexperimentieren die Ergebnisse zu verbessern, und habe mich vom Schreibtisch, der am Fenster steht, weg ins Zimmerinnere bewegt. Gleichzeitig habe ich mehr mit dem Licht fotografiert, was am Schreibtisch nur eingeschränkt ging. Hier also noch einmal Bilder von der zuletzt gezeigten Einheit:






      Ist schon ein bissl besser, finde ich.

      Wie weiter oben schon erwähnt, hatte ich nebenher die Minis für die nächsten Einheiten schon etwas vorbereitet. Bei der Kanone haben die Fehlgüsse leider wieder zugeschlagen. In zwei Rädern gab's gleich drei davon, allesamt nicht komplett ausgegossene Speichen. Da hab ich lange drüber meditiert, wie ich das angehen soll, bin am Ende aber beim ersten Gedanken geblieben: die Lücken mit Modelliermasse zu füllen. Ist ein wenig holprig geworden, aber ich denke, daß das am fertigen Modell nicht mehr so auffällt. Außerdem kann ich immer noch die etwas dick gewordene Stelle nach unten drehen und ein etwas größeres Kraut daneben pflanzen.





      Weiter ging's mit den Italian Mounted Crossbowmen. Die sehen so aus:





      Auffällige Kapuze am Rücken, mit Helm, ohne Köcher. Die Pferde schlicht gehalten, mit drei schmückenden Leder(?)streifen an der Hüfte. Hier sieht man schon, daß ich mit einem selbstgekneteten Köcher für die Bolzen die Tristesse etwas aufzulockern versucht habe. Es gibt zwei verschiedene Pferde, die sich aber nur in der Pose unterscheiden, nicht in der Ausstattung. Da mußte also wieder die Knete ran...





      Einigen hab ich etwas Gepäck auf die Hüfte gepackt, anderen einen Köcher an die Schulter, einem einen Gurt über den Hintern (Mitte rechts), einem die zierenden Streifen abgefeilt (unten links).
      Von den Reitern gibt es noch eine zweite Variante, in deutlich geringerer Zahl, die keine Kapuze hat und einen fast geschlossenen Helm, bei dem nur zwei T-förmige Schlitze ausgespart sind. Immerhin ist die Haltung der Armbrust eine ganz andere; ich komm mir schon richtig verwöhnt vor. :D Dafür waren deren Armbrüste alle vom Gußfehlerteufel heimgesucht worden...





      Einem habe ich die Wangenteile seines T-Helmes (ich nenn's jetzt einfach mal so) entfernt und hab ihm dafür einen ordentlichen Vollbart verpaßt. Ansonsten das inzwischen übliche Programm: ein paar Kapuzen entfernt, ein paar Taschen hinzugefügt, hier ein Bart dazu, dort eine Mütze über den Helm gestülpt und einem den Helm zur Frisur umgeschnitzt.

      So, das war's jetzt aber für heute!
      "Jaaaa, genau, vertraue der Macht. Gib Dich Deinen Gefühlen hin, male 28mm." (Sir Tobi, 30.06.09)
      So, die geflickten Räder sind ihrer Bestimmung zugeführt worden und sind nun Teil meiner ersten Artillerie-Base. Der Mopp von dem Artilleristen in der Mitte und der Zündstecken (keine Ahnung, wie sowas heißt) von dem Typen links sind selbstgemacht. Ansonsten wäre noch zu sagen, daß nur der Linke von Black Hat ist, die anderen beiden sind von 15mm.co.uk, wo ich mal eine Testbestellung gemacht habe, in der Hoffnung, ein paar mehr Posen zur Verfügung zu haben.



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